Ich komme langsam auch nicht mehr hinterher:
Gestern wurde der neue US-amerikanische Präsident vereidigt (keine Namen, man darf Populisten keine unnötige Aufmerksamkeit schenken). Er soll in seiner Antrittsrede die USA sinngemäß als ein massakriertes, am Boden liegendes Land bezeichnet und anschließend zu Frank Sinatras Auferstanden aus Ruinen und Vorwärts ist keine Richtung getanzt haben.
Wie konnte es in diesem Jahr nur so schnell so weit kommen?
Ich vermute, meine Umgebungsgeschwindigkeit beschleunigt sich zu stark. Oder anders ausgedrückt: Ich bin langsam. Jedenfalls habe ich beschlossen, mich dem Tempo meiner Umgebung nicht anzupassen. Den Gedanken habe ich von John Franklin. Spaceman Spiff hat mich mit seinem Lied Nichtgeschwindigkeit dazu ermuntert:
Schweigen ist Zuhören,
Öffnen wird Wachsen, Verstummen bleibt Bewahren.
Der Film Lo And Behold – Reveries Of The Connected World vom August vergangenen Jahres beschäftigt sich mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Internets und dessen Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen. Er ist von Werner Herzog:
Ich habe mich während des Films an verschiedene Dinge erinnert. So taucht zu Beginn kurz Ted Nelson auf, der als tragische Figur seine Vorstellung davon zeigt, wie das Internet hätte eigentlich werden sollen, kurz: seine Vision von Hypertext. Das wird gut visualisiert beim Blick über seine Schulter auf seinen WindowsXP-Rechner.
Später im Film wird gesagt, dass es in Zukunft oder auch bereits jetzt egal ist, wer einen Text verfasst – sei es ein Mensch, ein Roboter oder ein Hund:
Das würde Roland Barthes Vorstellung von der Abwesenheit des Autors wahrscheinlich ziemlich gut gefallen. Ich zitiere mich hierzu mal selbst (Waaaaaahh, ein Barthes’sches Paradoxon??):
Der Text als Netzwerk, dem Sinnstiftung allein durch die Verknüpfungsleistung des Lesers widerfährt, scheint sich als Inbegriff eines poststrukturalistischen Verständnisses á la BARTHES im Hypertext zu offenbaren. Aber sind wir bereit, diesem Verständnis zu folgen? Schließlich tötet er nicht nur den Autor, er löst auch die Identität des Subjekts auf, indem er die »Einheit des Textes« nicht im Ursprung sondern im Zielpunkt verortet, »wobei dieser Zielpunkt nicht mehr länger als eine Person verstanden werden kann«. Mehr noch, »der Leser ist ein Mensch ohne Geschichte, ohne Biografie, ohne Psychologie« (BARTHES 2000, S. 192). BARTHES’ ›Leser‹ gleicht so gesehen viel eher Xanadu, NELSONs ›Maschine‹, die als Unified Tissue of Storage, als Gewebe von Speicher Knotenpunkte zentral im Netzwerk verortet, verknüpft und verfügbar macht.
Die Identität des Subjekts im Internet löst sich demnach auf, spielt zumindest keine Rolle mehr, im Gegensatz zum Fremdbildnis, meiner Ansicht nach.
Oscar Wilde versteht übrigens Kritik als höchste Form der Subjektivität. Hierzu fällt mir noch eine Aussage aus Werner Herzogs Film ein. Ein Interviewpartner sieht ein großes Problem in der Unfähigkeit der mit dem Internet heranwachsenden Menschen, kritisch zu denken, da Inhalte so umfassend verfügbar sind und junge Menschen sich verstärkt einseitig informieren. Er kommt dabei übrigens ohne das alte Wort postfaktisch aus. Ich teile die Befürchtungen immer dann, wenn ich Schüler nach der Quelle Frage und die Antwort Internet bekomme, sie aber eigentlich Google meinen und dann nicht verstehen, dass eine Suchmaschine keine Quelle ist. Allerdings würden sie der Unterstellung sicher heftig widersprechen – was mich irgendwie wieder zuversichtlich stimmt.
Im letzten Abschnitt des Films tauchen zwei Gehirnforscher auf, die von einer Art universellen „Sprache“ des Gehirns sprechen. Als Beispiel für diese universelle Gedankensprache dienen Beobachtungen durch eine MRT, während Menschen entweder ein Video von zwei in der Savanne wandernden Elefanten sahen oder einen Satz entsprechender Semantik lasen. In beiden Situationen wurden übereinstimmende Hirnaktivitäten festgestellt. Die Hirnforscher schlussfolgerten, dass es nur eine Frage der Zeit bzw. der technologischen Entwicklung sei, bis wir uns mittels Mini-MRTs quasitelepathisch austauschen könnten. Erinnert stark an Shitter:
Die Vorstellung einer Art universellen Gehirnsprache widerspricht der Idee, dass unser Weltbild, unser Vorstellungsvermögen, unsere Art zu denken von der Grammatik unserer Sprache bestimmt wird. Auf die Theorie bin ich durch den Film Arrival aufmerksam geworden, welchen ich gut fand, vor allem wegen dieser Idee und in diesem Zusammenhang der Art, wie die Geschichte erzählt wird. Alexander wusste natürlich nach dem Film gleich eine Erzählung zu nennen, in der das schon zuvor thematisiert wurde, hab ich aber wieder vergessen. Jedenfalls befürchte ich, dass Arrival zu den Filmen gehört, die man nur einmal sehen sollte, damit man sie in guter Erinnerung behält. Ich fand ihn offensichtlich so gut, dass sich mein Kopf bei Lo And Behold – Reveries Of The Connected World sofort eine Verknüpfung herstellte.
Was noch zu sagen bleibt nach dem Film: Wahrscheinlich werde ich die Wette mit Andreas verlieren, der behauptet, am 1. April 2025 mich mit nem autonom fahrenden Fahrzeug legal abzuholen und wir beide unterwegs Tee trinken können. Meine Skepsis bezieht sich zwar mehr auf die träge Gesetzesentwicklung in Deutschland als auf die technologische Entwicklung – im Film geht es auch um die Tatsache, dass die Software autonomer Autos (Vorsicht, Neologismus: Autoauto) eine menschliche Ethik entwickelt. So, wie man mit dem Thema in der letzten Zeit zugemüllt wird, sehe ich aber doch schwarz, die Wette zu gewinnen. Echte autonome Autos werden wohl noch vor der CSU-Maut gesetzlich implementiert werden. Es sei denn, Deutschland tritt 2018 aus der EU aus.
Naja, mal sehen. In diesem Sinne: Frohes neues Jahr.
Ich kann nun endlich in das neue Moop Mama-Album reinhören:
Das Lied Meermenschen (Thema Gesellschaft und Flüchtlinge) erinnert mich an die Filmmusik von Leviathan. Insbesondere die fließende Rhythmusänderung lässt Wellengang nachfühlen. Die Musik ist ursprünglich in der Oper Akhnaten von Philip Glass zu hören gewesen, welche, soweit ich weiß, keinen Bezug zu Meer oder Wasser im Allgemeinen hat:
Die Oper erzählt laut Wikipedia keine zusammenhängende Geschichte sondern portraitiert Echnathon und beschäftigt sich mit seinem Scheitern. Im Film Leviathan geht es um das klassische Hiobsthema.
Nikolai wird von Staat und Kirche bedrängt, sein an der Barentssee gelegenes Haus zu verkaufen. Er weigert sich und ihm widerfährt viel Unheil, schließlich wird er für den Mord an seiner Frau für schuldig befunden. Der Film endet mit dem Blick auf eine neu gebaute Kirche, die an der Stelle steht, an der Nikolais Haus stand. Anders als das Original der Bibel also etwas glaubwürdiger: kein Happy End.
Ein würdiges Ende fand auch Lars Ruppel eben im Poetry Slam im Jokus bei seinem Auftritt mit einem neuen Text, der wohl noch nicht veröffentlicht ist: Brat mir einer n Storch. Er erzählt darin von einem Teich und dessen Bewohnern, die nach und nach alle auf den Storch hören, der den Teich wieder so haben will wie früher. Als erstes müssen die Frösche dran glauben, für die folgende Mückenplage müssen andere Tiere Mückenjagen lernen. Schlussendlich wird der Teich eingezäunt, damit nicht jeder an den Teich gelangt, aber dadurch verdreckt er immer mehr. Diese gesellschaftskritische Fabel ließ mich an „Meermenschen“ denken, damit schließt sich der Kreis zu Moop Mama:
Mit Bier geht alles, sogar Kultur, dachte ich mir. Also war ich vergangenen Sonntag im Städel. Einige der Bilder dort – vor allem in der Moderne – haben mich beeindruckt. Besonders Edgar Endes Unter der Konsole. Im Städelblog liest sich zu dem Bild Interessantes:
Wenn er nach der Bedeutung seiner Bilder gefragt wurde, antwortete er: „Ich habe mir gar nichts dabei gedacht. Sie sollen sich etwas dabei denken.“
Dank seines Sohnes Michael ist überliefert, wie Edgar Ende bei seiner Motivsuche vorging: Er verriegelte sein Atelier, verdunkelte die Fenster, legte sich mit geschlossenen Augen auf ein Sofa und konzentrierte sich auf – nichts.
In dem Roman schließt sich Igor für ein Experiment 100 Tage in einen komplett abgedunkelten Raum. Das ist der Beginn einer abgefahrenen Reise ins Innere der Trauer. Ob man dabei wohl das fühlt, was diese Gesichter fühlen?
Ich vermiese an dieser Stelle ja nur ungern die fanatische Stimmung, aber der Film Dirty Games ist sicher was für jeden, egal ob sportbegeistert oder nicht. Ich will ihn mir jedenfalls ansehen:
Zu a)
Gegenwart ist die Auseinandersetzung mit dem, was war und dem, was kommt. Formen der Auseinandersetzung sind Angst und Trauma sowie Hoffnung und Nostalgie.
(Jetzt wollte ich erst sowas schreiben wie: Angst und Trauma, genauso wie Nostalgie und Hoffnung sind jeweils die gleichen Bewegungen, nur in unterschiedliche Richtungen. Aber da bin ich mir nicht sicher, ob das mit der Richtung und der Bewegung Sinn macht. Klingt so linear. Vielleicht ist alles nur ein Kreis, wer weiß. Oder vielmehr eine Spirale, wovon Robert Gwisdek in Der unsichtbare Apfel schreibt. Denn was ist schon Fortschritt?
Und noch was: Im Flow vergisst der Mensch diese bewusste Auseinandersetzung. Aber ohne Erinnerung daran oder Sehnsucht danach hat auch das Flow-Erleben keinen Bestand. Ich sah nicht die Weisheit der Gegenwart, Zerstreuung, Ruhe ist unauslöschlich.)
Zu 1.
Kunst ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen in der Auseinandersetzung. Sie gelingt, wenn sie das bewusstmacht.
Nachtrag: Das Tocotronic-Lied im Video heißt Hi Freaks. Danke Patrick.
Am Dienstag Abend habe ich dank nicht gekündigtem Netflix-Probemonat angefangen, den Film Bikes vs Cars zu schauen:
Nach den ersten 5 Minuten, in denen man eine Radfahrerin in Sao Paulo begleitet, beendete ich den Film und wechselte den Schlauch meines Vorderrades. (Das Vorderrad hatte ich am Samstag nach einer ausgiebigen Cyclocrosstour in den Wäldern heimatlicher Gefilde am Haus meiner Eltern wieder angekommen am Bordstein platt gefahren.) Ich war hoch motiviert, am nächsten Morgen statt mit dem Auto mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, das erste Mal seit längerer Zeit. Schwierig wurde, dass ich Mittwoch eine Stunde früher aufstehen musste als gewöhnlich. Donnerstag fuhr ich auch wieder mit dem Fahrrad, wenn ich da auch schon recht spät dran war. Heute habe ich dann, damit ich etwas länger im Bett liegen konnte, wieder das Auto genommen. Auf dem Rückweg stand ich dann auch prompt im Stau. Da musste ich dann Fatoni in Dauerschleife hören, um nicht auch noch an mein gescheitertes 2°-Ziel erinnert zu werden:
https://www.youtube.com/watch?v=eepgaapRebY
Den Film habe ich mittlerweile komplett gesehen. Interessant, dass der Fokus nicht einfach auf den Fortbewegungsmitteln selbst lag sondern vielmehr auf unterschiedlich umgesetzte Stadtentwicklungsplanungen. Los Angeles habe sich zum Beispiel in den 1930er Jahren ganz bewusst entschieden, voll auf Autos und Busse zu setzen, der Einfluss der Automobilindustrie sei da nicht unerheblich, erzählt der Film. Am Ende zeigte der Film Bilder von Jakarta. Darüber unterhielt ich mich vorhin mit einem Kollegen, der dort schon einmal war und mir das aus eigener Erfahrung bestätigte.
In einer Stelle spricht ein Bürgermeister in Los Angeles vom „war on cars“ und meinte damit die Radfahrer, die ein „pain in the ass“ der Autofahrer seien. Solche Aussagen findet man in Deutschland sicherlich auch so ähnlich, zumindest bemerke ich häufig aggressive Fahrweisen von Autofahrern, die zum Beispiel nicht ertragen können, dass man als Radfahrer bis zur Ampel vorne zur entsprechenden Markierung vorfährt und dann vergessen, dass ein Unfall mit einem Radfahrer dem Autofahrer so gut wie nichts ausmacht.
Gut gefallen hat mir die globale Perspektive des Films, die mir deutlich gemacht hat, dass sich so fast jedes Land als Autonation sieht, wenn es denn nur will. Das ist wahrscheinlich so ähnlich wie der Mythos, dass die Atomkraftwerke im eigenen Land die sichersten seien.
Ich will mal sehen, wie oft ich demnächst noch Fatoni hören muss. Vielleicht ja aber auch Benjamin Button.
Ich war in den letzten beiden Wochen auf unterschiedlichsten Konzerten. In Frankfurt (Nachtleben) hatte Fatoni seinen Tourauftakt und Moop Mama in Marburg (KFZ) eben einen solchen. Das gute an Tourauftakten: Man ist der erste. Nachteil: Die Künstler müssen sich erst mal auf der Bühne finden.
Mit Fatoni habe ich so richtig mein erstes Rap-Konzert besucht. Also abgesehen von einigen Stylefiasko-Sachen in Siegen&Co. Etwas enttäuscht habe ich dann festgestellt, dass da tendenziell eher gebildete Hipster-HipHopper zu Besuch sind. In der Cypher stand ich dann auch ganz vorne, nur um festzustellen, dass Fatoni nicht mit JuseJu freestyled. Schade. Keno hat beim Moop Mama-Konzert auch nicht gefreestyled. Auch schade.
Irgendwie hatte ich erwartet, dass ich mal neue Konzertablaufkonzepte präsentiert bekomme. Also mehr Improvisation und so; nicht immer 10-15 Lieder, dann Zugaberufe, dann noch 3 Lieder, dann mit Rausschmeißmusik rausgeschmissen werden. Alles muss schön seine Ordnung haben, dachte ich bei beiden Konzerten. Die Musik war trotzdem ganz gut.
Besser haben mir die kleineren Sachen im Cafe Amelie in Gießen gefallen: She Owl und Anoraque. Beide Konzerte wurden mit Hutgeld bezahlt. Erinnerte etwas an Konzepte aus dem Anarchiefilm, den ich zuvor im Kinocenter sah. Trotzdem liefen die Konzerte ordentlich ab.
Meine Gedanken zu dem Film Projekt A: Im Film sieht man, wie in einem Athener Stadtteil ein Mann ein brennendes Auto mit Wasser löscht, angezündet wohl mit einem Molotow-Cocktail. Als die Feuerwehr vor Ort ist, ist das Feuer schon gelöscht. Die Feuerwehrmänner sprühen dennoch Löschschaum in den Mercedes. Währenddessen schwenkt die Kamera auf den mittlerweile brennenden Einsatzwagen und man sieht einen Menschen einen weiteren Molotow-Cocktail in den Feuerwehrwagen werfen. Das Publikum im Saal hat großteils gelacht, ich nicht.
1. Anarchie ist keine, wenn sie Unterhaltung wird.
2. Wer denkt mehr an „das System“ – der Molotow-Cocktails gegen staatliche Institutionen werfende Mensch oder der Feuerwehrmann, der Menschen hilft, wenn es brennt?
Interessant war, wie vielseitig anarchische Bewegungen in Europa funktionieren. Das, was man über Katalonien erfuhr, fand ich besonders interessant.
Richtig anarchisch wäre es vielleicht mal, mit althergebrachten Konzertkonzeptionen zu brechen. Vielleicht höre ich aber auch nur die falsche Musik oder haben einen zu hohen Anspruch. Oder halt doch die Musik selbst machen – und dann einfach mal nicht aufnehmen, nicht bei Whatsapp teilen, nicht bei Youtube hochladen. Nur so unter sich.
Die neue ARTIC ist draußen, Stichwort: faul. Um den Titel zu unterstreichen hat die Produktion des Heftes diesmal 4 Jahre gedauert. Ich konnte gestern während eines Geburtstagsbrunch einen Blick ins Heft werfen. Einen Text habe ich dann etwas näher geleesen, also nur überflogen. Ging um die Vertreibung aus dem Paradies, Sisyphos und Prometheus. (Frage mich gerade, ob es nicht doch ein Geier war, der sanft Prometheus Leber pickte.) Ich fand den Text zunächst etwas wirr, merkte aber auch, dass ich gerade nicht die Muse zum Lesen hatte und wollte dem Text gegenüber nicht unfair daherreden, insbesondere während zwei Redaktionsmitglieder des Magazins am Tisch saßen. War ganz gut, weil ich nämlich später bemerkte, dass der eine selbst Verfasser eben dieses Textes war.
Ein weiterer Text stammt von Malewitsch, der in der ARTIC wohl zum ersten Mal in gedruckter Form erscheint: Die Faulheit als tatsächliche Wahrheit der Menschheit. Habe ihn gerade angefangen zu lesen, war aber etwas faul und hau deswegen meine Hauptkritik sofort raus: Wovon Malevich oftmals redet, wenn er Faulheit sagt, ist meiner Meinung nach Zufriedenheit, Ruhe oder Pause. Also glückselige Momente, nachdem man gearbeitet hat. („Andererseits ist die Faulheit der Garant und Motor der Arbeit, schließlich kann man Faulheit nur durch bzw. über die Arbeit erreichen.“) Ich finde aber, dass zu echter Faulheit gehört, beim Sichaufraffen zu scheitern:
Ganz gut gefällt mir, dass er der Aussage widerspricht, Faulheit sei die Mutter aller Laster. Dem widersprach auch Kierkegaard schon, der den bekannten Satz in „Langeweile ist aller Laster Anfang“ umbedeutet haben wollte (wenn ich mich gerade richtig erinnere). Also, ungefähr so: Wenn einer nichts macht, heißt das nicht, dass nichts passiert. Momente der Ruhe / Pause / Entspannung ermöglichen oftmals erst kreative Prozesse. Nur wenn wir uns mit uns selbst langweilen suchen wir nach Ablenkung=Laster. So hab ich Kierkegaard damals verstanden und in eine ähnliche Richtung schreibt Malewitsch stellenweise – vermute ich. Habs ja nicht richtig gelesen.
Der Einband der ARTIC ist mit Jeansstoff aus alten Hosen beklebt. Das war und wird wohl ganz schön viel Arbeit. Erinnert mich ein bisschen ans Flyerfalten zu AKBp-Zeiten. Was Diego gefallen wird: In zehn der tausend Ausgaben des Magazins befindet sich ein echtes Faultierhaar. (Das Gesicht vom Zoodirektor hätte ich gerne gesehen, als er den Brief zur Anfrage las.)
So, ganz schön viel Text, dafür dass ich eben zu faul war, Malevich Text zu lesen. Nennt man wohl Prokrastination. Diego meint übrigens, dass die Kunst darin besteht, die eigentliche Arbeit mit anderer sinnvoller Arbeit aufzuschieben. Ziemlich k l u k.
Ich mag Science-Fiction(-Filme). Gerade habe ich einen solchen Film gesehen: Advantageous. (Irgendwie gefiel er mir noch besser als Under The Skin.)
Die Handlung: Eine allein erziehende Mutter beschließt, ihre Identität zu Werbezwecken in einen jüngeren Körper verpflanzen zu lassen.
Wie gute Science-Fiction spiegelt der Film die Gegenwart. Hier meiner Meinung nach insbesondere das Streben nach gesellschaftlich anerkannter Anerkennung ( meist „das Nützliche“ genannt).
Apropos Kritik der Gegenwart, in der Kierkegaard zu Beginn dem modernen Selbstmörder das Selbstmördersein abspricht, da er nicht aus sondern durch Überlegung Selbstmord begehe: Die Tochter der Hauptfigur(en) fragt wiederholt verzweifelt ihre Mu(e)tter, welchen Sinn es überhaupt habe, dass sie selbst lebe. Die Mutter wiederum opfert sich dafür, dass ihre Tochter ein möglichst gutes Leben hat. Den Sinn im Leben projiziert die Mutter also in ihren Nachwuchs, der ihn selbst sucht. Irgendwie auch eine Flucht vor der eigenen Betroffenheit.
Meine Antwort auf den in dem Film angeprangerten Nützlichkeitswahn ohne Sinn mit Verstand: Pure Vernunft darf niemals siegen.
Das meinte auch ein Freund gestern, weshalb wir uns entschlossen, noch Nachos mit Käse zu bestellen.
Habe ich eigentlich schon mal diese Musik hier verlinkt?
Lasse Matthiessen verzieht sein Gesicht so schön, damit er noch besser singen kann.
Von TV Noir gibt es natürlich so einiges an hörenswerter Musik, ich überlasse aber die Suche jedem selbst.
The Yes Men mit deutschen Untertiteln wurde im Rahmen der Globale aufgeführt und hat mir gefallen. Ziemlich beeindruckend, was man mit gesellschaftskritischem Unfug alles anstellen kann. Insbesondere die Tanzeinlage zu indianischen Gesängen mit Vertretern nordamerikanischer Energiekonzerne war erstaunlich. Kommunikationsguerilla nennt man das ganze.
Das anschließende Gespräch mit Jörg Bergstedt (aus dem Kreis des Infoladen) hat mich an frühere StuPa-Sitzungen erinnert, in denen er gelegentlich als linke Opposition zur Demokratischen Linken (die Liste mit der Sau), Brennpunkt Uni (das waren noch Zeiten, Alter), UniGrün und JuSos aufgetreten ist.
Hateful Eight (in der deutschen Version) fand ich ziemlich enttäuschend, da verstehe ich die IMDB-Wertung 8,0 nicht. Die Anfangsszene war grandios, gerade auch wegen der Musik. Der Rest ein typischer Tarrentino – das ist hier durchaus als banausenhafte Umschreibung von übertriebener filmischer Gewaltdarstellung gemeint. Und weil die Erzählweise mir doch arg bekannt vorkam. Ich glaube, Leute, die sich für Filme interessieren und sich mehr mit ihrer Darstellungsform beschäftigen als mit der Darstellung einer Geschichte, finden Gefallen an dem Film. Westernfans kann ich ihn weniger empfehlen. Ach ja, und ein kräftiges Buuuuhhh! für die Location. Kinopolis mag ich so gar nicht. Fast so unpersönlich abfertigend wie die angegliederte Restaurantkette Bolero.
Hail, Caesar! im englischen Original hat mir besser gefallen, wenngleich der Film sich thematisch mit dem Hollywood der 1950er beschäftigt und die Geschichte selbst irgendwie nicht wirklich greifbar wird. Der Plot wird gut erzählt und mir haben vor allem die mühevollen Darstellungen der Sets der verschiedenen Filmdrehs gefallen. Mein Sitznachbar meinte am Ende des Films: „Der Film könnte jetzt noch ’ne Weile weitergehen!“ Das traf es auf den Punkt, da die Handlung selbst nicht unbedingt fertig war und ich Spaß an der ausschnitthaften Darstellung der präzisen Persiflage verschiedener Filme der Zeit hatte. Die Stepptanzeinlage rund um Channing Tatum als (schwuler) Matrose ist gelungen (besser als der Gesetzlose in Hateful Eight) und erwähnenswert ist auch, dass ich Jonah Hill erst hinterher beim nochmaligen Trailerschauen auf Hinweis einer Bekannten erkannt hab. Der hat ganz schön zugelegt, für die Rolle. George Clooney hat in vielen Szenen exakt die Gleiche Mimik drauf wie in O Brother, Where Art Thou. Während des Films haben ein paar Leute den Saal vorzeitig verlassen. Wahrscheinlich, um schnell auf IMDB den Film downzuraten. (Zu downraten? Wie formuliert man das, wenn man auf den Anglizismus nicht verzichten möchte? Ich struggle gerade. – Sorry, ich meinte: Das ficht gerade meine Syntax an.)
Seit kurzem habe ich dank Christian einen ordentlichen Plattenspieler. In den Folgetagen stieg dann mein Investitionsniveau bei discogs&co exponentiell an. Ich mache mir nun Sorgen, dass dies nach meinem weißen Eingangrad – mittlerweile verkorkst und will ich in diesem Jahr mal angehen – und dem schön bunten Cyclocross ebenso dazu beiträgt, dass Diego mich für einen Hipster hält. Dabei ist mein Grundproblem, dass ich zu langsam bin, um zur Hipster-Avantgarde zu gehören.
Jedenfalls bin ich bei meiner Musikleidenschaft nicht nur auf gute Musik (z.B. Christian Scott), nachdenklich machende Musik (z.B. Edgar Wasser&Mine) oder schöne Musik (z.B. Nils Koppruch) gestoßen, sondern musste auch feststellen, dass es etwas anderes ist, eine Platte aufzulegen, als bei Spotify alles Mögliche dargeboten zu bekommen. Letzteres mag seine berechtigte Situation haben, wenn es geht, bevorzuge ich allerdings das Albumdurchhören.
Jetzt muss ich nur noch aufpassen, dass ich nicht zu hip werde, indem ich allerlei Trends progressiv hinterherjage und mich im Kreis drehe. Vorwärts ist keine Richtung.
Da ich nicht schlafen konnte, habe ich verschiedenste Musik gehört, bis ich schließlich mal wieder bei dem Liveauftritt der Omar Rodriguez Lopez Group in Los Angelos gelandet bin: Sie spielen dort „Un buitre amable me pico“ und „Poincaré“ hintereinander, was ich in dieser Form extrem gelungen finde. Vor allem das Schlagzeug, aber auch insgesamt der Rhythmus hauen mich um.
Mir hat dann keine Ruhe gelassen, wovon die Frau dort wohl singen mag. Da ich kein (Gossen-?)Spanisch kann, musste ich ziemlich lang und umständlich mit dem Google-Übersetzer rumfummeln, bis ich ein halbwegs brauchbares Ergebnis hatte – das sollte man jedoch nicht als Übersetzung ansehen, da haben ich und Google sicher einiges Neues beigemischt. Auf Youtube scheinen sich auch einige Kommentatoren für den Text zu interessieren. So hab ichs jedenfalls ins Deutsche gebracht:
Ein Geier pickt mich sanft (Un buitre amable me pico)
Ich bin, was zwischen den Abständen geschieht, Zeit gefüllt mit Worten, Bis die Minuten davonfliegen, Wer auch immer sie nimmt.
Schlaganfall/Schriftzeichen – die Lösung, wenn ich aufwache, Um einige Momente zu vergessen, Die ich am Ufer des Flusses anhäufe, Um Dich abzutragen.
Poincaré
Ich sah nicht die Weisheit der Gegenwart, Zerstreuung, Ruhe ist unauslöschlich.
Im Original lauten die Texte laut diverser Songtextseiten folgendermaßen:
Un buitre amable me picó
Soy lo que sucede entre distancias
Tiempo lleno de palabras
Hacia donde parten los minutos
Quien se los llevara?
Trazo solucion cuando me despierto
Mis momentos pa‘ olvidar
Lo que acumulo, la orilla del rio
Tuyo para deshacer
Poincaré
No miré
lo sabio del presente
coso para disipar
la calma es indeleble
„Trazo“ kann Schlaganfall aber auch Umriss, Strich oder Schriftzeichen bedeuten. Und beim Suchen nach einer Übersetzung des 2. Titels bin ich dann auf Henry Poincaré gestoßen. Er wird in Wikipedia als letzter Universalgelehrter bezeichnet, da er sich neben Mathematik unter anderem auch mit Geodäsie sowie Physik beschäftigte. Die Sätze, die dort zu seinen philosophischen Betrachtungen stehen, helfen womöglich, das Lied zu verstehen, sind aber auch so interessant:
Er schrieb auch philosophische Abhandlungen zur Wissenschaftstheorie und begründete dabei eine Form des Konventionalismus. Er trennte das Faktische von der Definition. Auch lehnte er die Klassifizierung in die beiden Extrema Idealismus und Empirismus ab und es gelang ihm in seiner Philosophie eine Verquickung von geistes- und naturwissenschaftlichen Fragestellungen.
Geprägt vom Fortschritts-Paradigma und Optimismus des 19. Jahrhunderts ging Poincaré mit einem mathematischen Naturverständnis und dem Experiment an die Arbeit. Er klammerte jedoch bewusst die Suche nach der Wahrheit als letzter Realität aus und operiert nicht mit metaphysischen Objekten – gewissermaßen formuliert er Aufklärung neu.
Der Name Zen im Titel des Werks Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten steht symbolisch für die Auffassung, dass eine bestimmte Herangehensweise zu Problemlösungen im Bereich der Technik führen kann. In dieser Herangehensweise hat der Beobachter sich selbst noch nicht so weit von der beobachteten Welt getrennt, dass er nur noch statische, unveränderliche Dinge vor sich sieht, die den Zwecksetzungen des Beobachters entsprechend funktionieren oder nicht funktionieren. Der Beobachter in dieser Herangehensweise ist noch so weit mit den Dingen verbunden, dass er Neues wahrnehmen kann, und dass er auf diese Weise die Dinge – und damit seine Welt – dynamisch den auftretenden Problemen anpassen kann.
Naja, keine Ahnung, wie das zusammenhängt. Jedenfalls stelle ich fest, dass ich mich nun seit etwa vier Stunden mit dem Thema zerstreue, anstatt zu schlafen. Was der Zerstreuung übrigens ganz besonders dient, wenngleich die Tonqualität miserabel ist, sind Omar Rodriguez Lopez, Flea und John Fruiscante bei diesem Auftritt 2004:
Das Dillenburger Kino ist legendär – zumindest empfand ich das so, als ich mal wieder seit Ewigkeiten dort war, um mir den neuesten Bond-Film Spectre (2015) im Gloria Jet anzusehen. Ich kann mich lustigerweise noch an eine Reservierungsnummer erinnern, die ich etwa vor 15 Jahren brauchte, weiß aber nicht mehr, zu welchem Film…
Naja, um es kurz zu machen: Ich fand Spectre längst nicht so unterhaltsam wie Skyfall, den ich damals insbesondere wegen Javier Bardems Auftritt ganz gelungen fand. Christoph Waltz hat mich diesmal nicht umgehauen. Ich fand ihn als Oberbösewicht aller (vergangenen) Bösewichte nicht plausibel, so wie die Figur mit ihrem Ziel der Totalüberwachung angelegt war. Da fand ich K1 schon wesentlich besser, der mit seiner K-Bombe das Verständnis für Zahlen auslöschen will. Außerdem waren mir die Actionszenen einfach zu viel des Gewollten. Ganz gut gefallen hat mir die Ästhetik des Films, wenngleich es schade ist, dass der Titelsong von Radiohead es nicht in den Film geschafft hat.
Was ich ganz nett fand waren eben die vielen Anspielungen auf den Film Zwei bärenstarke Typen (1983). Zum Beispiel fährt Bond einen kugelsicheren Wagen, bei den CIA-Agenten Steinberg und Mason ist sogar der Lack ihres Cabrios kugelsicher. Ich könnte jetzt noch mehr aufzählen, aber ich will hier nicht sehenswerte Filme zu sehr spoilern…
Vergangenen Samstag habe ich in Hamburg ein Refused-Konzert besucht. Dazu hatte ich vor ein paar Wochen einfach Tickets bestellt, ohne mir weiter Gedanken zu machen. Die Show in den Docks war recht gut, sie haben entgegen meiner Befürchtung auch ältere Lieder gespielt. Älter war dann auch das Publikum, was mir dann vor Augen führte, das ich langsam zu den alten Leute gehöre, Junge.
Der Sänger, der in all seinem affektiert hippen Auftreten nicht nur sympathisch rüberkam, hielt zwischendurch immer wieder kurze Redebeiträge, persönlich politische Statements, bspw. zum Kapitalismus und Klimawandel. In seinem ersten Statement nahm er Bezug auf die jüngeren Pariser Terroranschläge und berichtete von einem Konzert in Antwerpen, das wohl zu der Zeit der erhöhten Sicherheitsmaßnehmen stattgefunden hat. Schwer bewaffnete Polizeieinheiten patroullierten demnach um das Gebäude, zwei Scharfschützen waren im Raum. Das sei für die Band ein blödes Gefühl gewesen, dies zu wissen, im Gegensatz zu den Besuchern.
Was später des Nachts krass war: Die Reeperbahn war so voll wie der Seltersweg Samstag Vormittags in der Weihnachtszeit. Insgesamt eine unglaublich dichte Gegend mit Sexkinos an der einen Stelle und katholischem Kindergarten um die Ecke, reicheren St. Pauli Besuchern und Pfandsammlern, die für leer werdende Anstehbiere beinahe Schlange standen. An den Landungsbrücken wars auch sehr nett, nur auch windig. Ganz gut gefallen hat mir die Bar kuchnia, empfehle ich vor allem wegen der interessanten Getränkeauswahl und der persönlichen Atmosphäre.
Stehe gerade in der Warteschlange der Postfiliale und beobachte, wie jemand ein riesengroßes Modomotopaket aufgibt. Das erinnert mich an meine Schnappsidee vor einiger Zeit in Berlin, auf die mich Diego gebracht hat: Mich von Modomoto einkleiden zu lassen. Man gab dort Größen und stilistische Vorlieben und ein Modeberater stellte einem eine Auswahl zusammen. Versand, Rückversand und der ganze organisatorische Kram gingen unkompliziert. Das einzige Problem waren die Klamotten. Ich hatte zwei oder drei Outfitkombinationen, die mir allesamt nicht gepasst haben. Und wenn sie mir gepasst hätten, wären sie ästhetisch untragbar gewesen. Das liegt dann wahrscheinlich aber eher an meinem Geschmack als an dem der Zusammensteller bei Modomoto.
Vergangenen Freitag war ich auf einem Fotovortrag: 5000 km mit dem Rad. Christian Prior hat da von seiner Radreise 2014 von Rittershausen in den Kaukasus berichtet. Neben einigen schönen Schnappschüssen der Landschaften und detailierter Darstellung der Reisevorbereitung bot der Bericht einen persönlichen Blick auf verschiedene Erlebnisse, zum Beispiel auf den Ukrainekonflikt und dessen mediale Berichterstattung. Der Bericht hat mich an den Film Berlin2Shanghai erinnert, den ich mit Interesse gesehen hatte. Bin gespannt, ob ich mich davon anstecken lasse. Muss ja gar nicht weit werden. Brauch ich nur noch ein Randonneur.
Anschließend an den Vortrag haben wir mit ein paar Leuten spontan und zufällig in der Alten Brauerei in Ewersbach die recht gute Red Hot Chili Peppers Cover Band Mother’s Milk gesehen. War auch net schlescht.
Vor einigen Wochen war ich auf einer Jubiläumsfeier der Schreinerei astrein in Gießen dank eines Freundes, der dort mal gearbeitet hat. Neben gutem, mehr oder weniger veganem Essen und leckerem Weißwein gab es dort auch Musik. Zwei Brüder traten mit Liedern von Bob Dylan auf: Der eine coverte die Songs, der andere gab zuvor jeweils eine hessische Übersetzung/Adaption zum besten. Dylan’s Dream. Skeptisch, wie ich bin, kniff ich gedanklich zunächst eine Weile die Ohren zusammen. Bei „The Times They Are a-Changing“ hatte mich die Kombo dann aber überzeugt und ich war froh, an diesem Abend nicht woanders gewesen zu sein.
Übrigens, wie ein anderer Freund meint, soll dies hier eine der besten Coverversionen von All Along The Watchtower sein, besonders wegen des Bass:
Dem stimme ich gerne zu. (Etwas schade finde ich, dass Google den ersten Eindruck erweckt, der Song sei von Jimi Hendrix.)
Dank meines Crowdfundinganfalls vor ca. einem Jahr – was Crowdfunding ist, erfährt man z.B. von Diego – besitze ich seit einigen Tagen eine Kaffeemühle. Der ROK Coffeegrinder gefällt mir tatsächlich ganz gut. Vorteil: Das Teil braucht keinen Strom. Nachteil: Man muss per Hand grinden. Dieses geht aber doch spürbar einfacher als bei einer gewöhnlicheren Handmühle. Das Justieren des Stahlmalwerks – optional wohl auch als Keramikvariante vorhanden, keine Ahnung, was das bringt – lässt deutlich feineres Kaffeemehl zu als bei meiner elektrischen, die etwa gleich teuer war. Wenn man es arg fein einstellt, ist es beim Mahlen dann auch fast so laut wie bei einer elektrischen Mühle. Das feine Mehl führte beim ersten Versuch dann auch gleich dazu, dass ich den Hebel der La Pavoni trotz aller Kraftanstrengungen nicht oder nur kaum bewegen konnte. Ganze drei Tropfen hochkonzentrierter Espressobrühe konnten herausgepresst werden. Mittlerweile funktioniert das etwas besser und ich muss sagen, dass ich die Wichtigkeit der Feinheit des Kaffeepulvers unterschätzt habe.
Noch wichtiger ist es allerdings, den Kaffee mit guten Menschen entspannt zu genießen. Das sollte man hin und wieder auch mit einfachem Filterkaffee tun. Hilft ungemein, um kein Kaffeenazi zu werden.
Zum Korrigieren bin ich jetzt seit Langem mal wieder in die UB. Und was passiert? – Zack, hab ich mich zum Kaffeetrinken unten getroffen. Das Wetter lädt aber auch wieder zum Prokrastinieren ein, Junge. (Alter, sind die Leute hier klein geworden. Und die Gesprächsthemen meiner Holzbanknachbarn auch.)
Gestern bin ich im Keller Theatre gewesen, um mir das Stück The Cagebirds anzusehen. Die Darstellerinnen haben es überzeugend hinbekommen, ich kam mir vor, als beobachte ich einen menschlichen Vogelkäfig. Nicht nur mir hat es gefallen. Gut fand ich auch die Idee von Sascha, als Eröffnungslied Boys Are Back in Town umzudichten und mit der Gitarre Birds Are Back in Cage zu singen. Auch die Lieder, die er und seine beiden anderen Musikkollegen im Anschluss gespielt haben, waren hörenswert, unter anderem The Lovecats. Disarm hatte ich auch ewig nicht gehört. Es gibt nächstes Wochenende noch zwei Aufführungen.
PS: Besonders zu erwähnen ist natürlich der Acting Specialist des Stücks, auch wenn er gestern nicht da war.
Ich habe in der letzten Zeit immer mal wieder darüber nachdenken müssen, wie (sehr) man sich im Netz und auch jenseits davon darstellt – womöglich auch, ohne dies bewusst oder mit einem eitlen Ziel zu tun. Ich habe den vorläufigen Schluss gezogen, dass es entscheidender ist, wie man als Gegenüber mit der Selbstdarstellung eines anderen Menschen umgeht: Du sollst dir kein Bildnis machen:
Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes mal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind – nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft auf, weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
Oder in eigenen Gedanken gesagt, sollte man sich vielleicht kein fixes Bild vom anderen machen, damit man noch überrascht werden kann – gerade im Angesicht dessen Selbstdarstellung. (Achtung, Binsenweisheit: Ein Reisender ist mehr als seine Reise, ein Prediger mehr als seine Rede und ein Bettler mehr, als das, worum er bittet.)
So langsam wird es mal Zeit, hier über diverse Crowdfundingprojekte zu berichten, die ich in der letzten Zeit unterstützt habe. Zunächst wäre da natürlich das Telefon, mit dem ich diesen und die letzten Beiträge erstellt habe. Nach beinahe zwei Jahren Nutzung muss ich mittlerweile sagen, dass ich das Betriebssystem ziemlich gut finde und es gerne täglich nutze. Meiner Meinung nach ist die Bedienung der anderen Smartphones überlegen – wenngleich man aufpassen sollte, keinen Swipedaumen zu bekommen.
Am Freitag kam dann meine Uhr, die eigentlich bereits im März verschickt werden sollte. Da gab es schon viel Rumgeheule in der entsprechenden Community. Dass das Design gelungen ist, bestätigte mir gestern in der Berghain-Schlange eine ganz sympathische Hipsterella. Die war zwar nicht davon beeindruckt, dass die Uhr auch blinken kann, aber die Tatsache, dass sie mit ihrem Hipster-Begleiter reingelassen wurde, der wiederum für seinen Norwegentrip – „Ich will da so durch die Fjorde wandern und wenn es regnet, will ich gut aussehen!“ – eine ganz spezielle gelbe Regenjacke online suchte, einen Friesennerz, wie sich herausstellte, bestätigte meiner Uhr einen gewissen Stylefaktor. Nevo bewirbt sie als erste analoge Smartwatch. Es gibt derzeit wohl noch viele Probleme mit der App. Die kann ich aber eh nicht ausprobieren, da mein Supertelefon Android nur bis Version 4.1 emulieren kann. Also bleibt mir erstmal nur der Stylefaktor.
Vermutlich im September kommt übrigens das passende Tablet zum Telefon. Viel spannender als die Hardware wird da jedoch sein, wie sich die Änderungen in SailfishOS 2.0 so machen werden. Das soll dann auch mit etwas Verzögerung aufs Telefon kommen, daher nicht irrelevant.
Gespannt bin ich auch auf den Coffee-Grinder, der mit seinem Mahlwerk speziell für Espressomehl gut geeignet sein soll. Der Vorteil ist, dass er nicht elektrisch ist. Das erhöht neben dem Style- auch den Gutmenschenfaktor meiner Küche.
Schade finde ich, dass das Projekt AguaClara, welches ich als Weihnachtsgeschenk für jemanden finanziert hatte, seinen Zielbetrag damals nicht im Ansatz erreichen konnte. Vielleicht lag es an einer mangelhaften Kampagnendurchführung – denn das sollte klar sein, dass Crowdfunding meist eine ganz spezielle Form von Werbung für ein Produkt ist. Nevo schreibt dazu, wie man das am geschicktesten machen sollte. Irgendwie ziemlich entlarvend. Ich glaube aber eher, dass Crowdfunding grundsätzlich funktioniert, wenn es dem Einzelnen etwas konkret bringt. Insofern kann man von Massenegoismus sprechen.
Der größte Vorteil für mich ist das zeitversetzte Konsumieren. So kann ich Geld ausgeben und irgendwann kommt ein tolles neues Spielzeug, über das ich mich freuen kann. Das ist dann quasi wie ein Geschenk, da ich das Bezahlen schon wieder vergessen habe. Toll, was?
Am Freitag war ich in Berlin auf einem Umtrunk. Der Anlass war der Abschied von Bekannten eines Freundes, die nach Peking gehen – oder auch Beijing, wie man das als weltoffener Mensch wohl eher formulieren sollte. Weltoffen war dann auch das Stichwort für die Gespräche an dem Abend. Die Leute waren so weltoffen, dass ich mir richtig schäbig vorkam, dass ich nicht von meinen zwei Jahren in Chile, dem Auslandssemester in den Staaten oder meiner Zeit in Israel berichten konnte. (Aber ich konnte gelegentlich darauf hinweisen: Asien ist total überlaufen.) Auch beim Austausch der Visitenkarten konnte ich nur zusehen. Das Essen war dabei richtig gut, wenn auch weltoffen, tendenziell mittelasiatisch, würde ich sagen. Hat die Gastgeberin bestimmt viel Arbeit reingesteckt. Lustig war, dass die Nachbarin der Gastgeber aus Dillenburg stammt. So war dann doch wieder ein Stück Provinz vor Ort. Schade war, dass viele der Weltenbürger schon vor 23h gegangen sind und ich mich gefragt habe, ob das alles nur Bekannte der Gastgeber waren oder auch der ein oder andere wirkliche Freund dabei war. Vielleicht gehört ein gewisses Maß an Oberflächlichkeit zur Weltoffenheit dazu, wer weiß. Selbstdarstellung war jedenfalls ihr heimlicher, wenngleich wohl auch ungewollter Begleiter an diesem Abend.
PS: 17 things that change forever when you live abroad erklärt womöglich manchem Daheimgebliebenen die fehlende Perspektive – wenngleich ich mir trotzdem das Recht herausnehme nicht allem zuzustimmen. Vielleicht muss jeder die Form des Sehnsuchtstillens finden, die zu ihm passt.
Right now I’m standing in the line to the Underground-Club Berghain. It’s like, you know, awesome! One hour ago, there was no line, so we went to the Kptn to spent there time with a Club Mate. The beer at the Ostbahnhof is much more cheaper. So right now, the line is, you know, …
Ps: Na toll, jetzt hab ich Hausverbot im Berghain. Wenn wir nochmal kommen, ruft er die Polizei.
Bin heute auf eine Demonstration der Earthlings geraten. Am Anfang wars recht lahm, aber dann ging die Leistungskurve steil nach oben. Schließlich versuchte auch ein JGA sein Glück in der Chilloutzone. Wer waren jetzt die Gutmenschen?