Weil mein jetziges Auto beim Tüv sehr genau unter die Lupe genommen wurde, erhielt es selbigen nicht und die Reparatus im Verhältnis für den mir entstandenen Nutzen steht nicht im Verhältnis. Jetzt hatte ich also wieder Gedäh vor mir: Autos Probe fahren.
Vom MG4 Urban war ich sehr angetan. Hinterher kam mir der Gedanke, dass es ja auch das erste Mal gewesen war, dass ich Elektroauto gefahren bin und ich von daher gar nicht genau weiß, was mir speziell an diesem Auto so gefallen hat. Gut war jedenfalls der Verbrauch auf der Strecke (11kwh). Umgerechnet hätte ich mit einem Diesel 1,1l auf 100km verbraucht. Weniger gefallen haben mir der Sitzkomfort und die Bediensoftware.
Als nächstes bin ich dann den Opel Frontera gefahren. Der hat mir gar nicht gefallen. Das lag im Wesentlichen daran, dass ich, um alles auf der Straße im Blick zu haben, den Kopf leicht nach links oder rechts bewegen musste, weil der Rückspiegel immer im Weg war. Eine Sitzeinstellung veränderte daran nichts. Ich denke, dass mich das vor allem deshalb geärgert hat, weil es ein deutlich größeres Auto ist. Der Frontera schied also sofort aus und ich glaube der Verkäufer war im anschließenden Gespräch etwas beleidigt. Ich erfuhr dann, dass genau der Wagen, den ich da gerade gefahren bin, sein Auto ist. Jedenfalls wollte er mir gar kein weiteres Auto empfehlen. Ich war ein bisschen enttäuscht, hatte ich mich doch auf ein Verkaufsgespräch eingestellt.
Ein paar Tage später bin ich im gleichen Autohaus den Hyundai Inster gefahren. Dieses Auto würde Diego gefallen, der mir neulich mal den logischen Gedanken mitgab, dass ein gutes Auto jenes sei, bei dem man möglichst wenig Material möglichst effizient durch die Gegend bewegt. Der Inster ist im Innenraum sehr variabel. Man kann bspw. die Rücksitze (getrennt) nach vorne oder hinten schieben, je nachdem, ob man mehr Kofferraumvolumen oder mehr Platz zum Sitzen hinten benötigt. Man hat auch deutlich mehr gesehen als im Frontera, obwohl das Auto deutlich geringere Abmessungen hat. Der Verbrauch lag bei einer ähnlichen Testrunde wie beim MG4 Urban mit rund 14kwh deutlich höher, obwohl er kleiner ist. Vermutlich liegt das am Cw-Wert. Irgendjemand auf Youtube hat mir mal erklärt, dass für den Verbrauch bei der Beschleunigung zwar Rollwiderstand und Gewicht die entscheidende Rolle spielen. Aber beim konstanten Fahren (Autobahntempo) ist das Gewicht nebensächlich, stattdessen spielt hier der Luftwiderstand die entscheidende Rolle. Beim Elektroauto ist das Gewicht noch weniger relevant, da durch Rekuperation ein Teil der Energie wiedergewonnen werden kann. Als ich den Inster wieder zurückgab, sprach ich den Händler auf ein Angebot an. Er war nicht bereit, mir preislich entgegenzukommen, weder beim Direktkauf, noch beim Finanzieren oder beim Leasing. Ich glaube, das Auto verkauft sich recht gut. Auf meine Frage, bis wann ich mich da entscheiden müsste, ob ich sein Angebot annähme, meinte er: „Wir machen das in der Regel so: Wenn ich von Ihnen nichts mehr höre, dann gehe ich davon aus, dass Sie kein Interesse mehr am Auto haben und alle sind glücklich.“ Wir quatschten noch ein bisschen weiter und ich meinte dann zum Schluss: „Ja, wir machen das dann so, wie Sie gesagt haben: Wenn ich mich nicht mehr melde, dann gehen wir davon aus, dass alle glücklich sind.“
Als nächstes fuhr ich den Kia PV5. Da es sich um einen Bus oder Van handelt, war entsprechend der Verbrauch bei gleicher Strecke höher und lag bei 20kwh. Das Auto hat mir gut gefallen. Allerdings lag wohl ein Missverständnis vor. Ich war davon ausgegangen, dass das Auto wie laut Anzeige sofort verfügbar gewesen wäre. Der Händler erklärte mir aber schnell, dass das nicht der Fall sei und ich mit einer Lieferzeit von rund 10 Monaten rechnen müsse. Jetzt mag man einwenden, dass von all den ohnehin schon unterschiedlichen Autos dieses am deutlichsten heraussticht. Ich hatte aber zwischendurch dann doch wieder mit dem Gedanken gespielt, das Auto zum campen zu verwenden. Und der Kia hat ziemlich ähnliche Innenmaße wie mein alter Scudo, sodass vieles hätte übernommen werden können. Allerdings bleibt die Idee Spinnerei. Das Fahren hat Spaß gemacht und jeder, der für Familie und Urlaub ein großes Auto sucht, der sollte dieses Auto mal fahren. Vielleicht sollte man aber im nächsten Jahr schauen, wenn das Nachfolgemodell kommt.
Außerdem fuhr ich den Leapmotor B05 Probe. Als ich den Hyundai Inster zurückgegeben hatte, sah ich im Autohaus den B05 stehen und fragte den Verkäufer – es war der Herr, dessen Frontera ich gefahren war –, ob ich den Leapmotor auch einmal Probe fahren könne, der wirke interessant. Der Verkäufer meinte dann, dass das ihr Vorführwagen sei und der sei schon verkauft. Reinsetzen wäre aber kein Problem. Mir gefiel der Sitzkomfort spontan besser als beim MG4 Urban. Ich sprach den Verkäufer dann nochmal an und bat darum, dass er sich doch melden möge, wenn sie den B05 wieder als Probefahrzeug hätten. Stattdessen gab er mir sein Kärtchen und bat mich, ich solle mich wieder bei ihm melden. Ich wies ihn darauf hin, dass ich ja nicht wissen könne, wann ich mich melden solle, das interessierte ihn aber nicht weiter. Ich verstehe ja übrigens nicht, wieso man als Verkäufer so kurzfristig denkt und das Probefahrzeug direkt verkauft. Man nimmt sich ja die Möglichkeit, weitere Käufer zu finden. Aber gut, vielleicht hat er an diesem einen Autoverkauf so viel Gewinn gemacht, dass ihm das egal war. Ich hab dann, zuhause angekommen, über die Leapmotorseite eine Probefahrt beim Autohaus gleichen Namens in Marburg angefragt. Ratet, wer meine Mail beantwortete. Richtig, der Verkäufer, mit dem ich eben gesprochen hatte. Er sei im Konzern für Leapmotor zuständig. Nach 2 Mails erklärte er sich dann auch bereit, mich von sich aus zu kontaktieren, wenn sie denn wieder einen B05 zur Probefahrt bereit hätten. Ich bin dann woanders Probe gefahren und hab dort einen Kaufvertrag unterschrieben. Unterm Strich ist dieses Auto im Verhältnis zum Preis das für mich sinnvollste Angebot gewesen. Der Verbrauch war vergleichbar mit dem des MG4 Urbans, Software und Sitze gefielen mir deutlich besser.
Mal sehen, wie es sich als Laternenparker dann so im Alltag schlägt. Die Stadt Gießen hat ja vergangenen Sommer dann auch mal begonnen, die Ladeinfrastruktur zu fördern, sodass jetzt in der Stadt verteilt einige 22kw-AC-Ladepunkte vorhanden sind, an denen man zu einem (wie lange noch?) akzeptablen Preis von 0,38€/kwh laden kann. Das Problem an den Elektroautos ist ja meiner Ansicht nach sowieso, dass Eigenheimbesitzer ohnehin einen Vorteil haben, wenn sie zuhause laden können. Wenn dann auch noch in eine Solaranlage investiert worden ist, kann man sein Auto besonders günstig laden. Entscheidender bleibt aber die Lademöglichkeit überhaupt, weil die Kosten für die Anschaffung der Solaranlage auch einberechnet werden müssen. Da zu meiner Wohnsituation kein Stellplatz gehört, ist der Vermieter auch nicht zu verpflichtet, der Installation einer Wallbox zuzustimmen, wenn ich die rechtlichen Regelungen richtig verstehe. In Anbetracht der Tatsache, dass die Kosten für Mobilität in Zukunft vermutlich weiter steigen werden, trägt das aus meiner Sicht wesentlich zur Verschärfung von Ungleichheiten der materiellen Verteilung in der Gesellschaft bei. Da winken am Horizont schon Dinge wie das Aussetzen des CO2-Preises, um das Autofahren nicht noch teurer werden zu lassen. Aber grundsätzlich gilt natürlich auch: Ein Auto muss man sich erst einmal leisten können. Ich fürchte, dass in Zukunft die Menschen, die beim Autokauf sparen müssen, dafür um so höher durch die Alltagskosten belastet werden.
Randnotiz: In den letzten Wochen habe ich mir auch echt viele Youtube-Videos von Leuten angeschaut, die Autos vorstellen. Das ist ein bisschen lustig, weil sich jetzt einige darüber beschweren, dass das, was sie machen, jetzt, gerichtlich festgestellt, deutlicher als Werbung gekennzeichnet werden müsse. Ich finde die ganzen Leute, die ihre Autokanäle betreiben, ja ganz lustig, jeden auf seine Art. Aber es ist doch klar, dass all die Videos, die ich gesehen habe, Werbung sind. Ich fand das auch gut, dass sie mir endlich das Gefühl eines Verkaufsgespräch gegeben haben, das ich bei manchen Autohäusern so vermisst habe. Ich vermute, dass die Autobranche insgesamt ganz schön satt und zufrieden ist. Anders kann ich mir die Entspanntheit beim Verkauf nicht erklären. Obwohl, vielleicht kam es auch nicht so gut an, dass ich meistens mit dem Fahrrad zum Termin zur Probefahrt erschienen bin.
Siehe auch: Ferrariszene in Beverly Hills Cop 2 (Die deutsche Synchronisation macht da was Lustiges draus: „Ich scheiße nicht ins Auto, ich bin Ästhet!“)








