Ich hatte ja neulich schon über den neuen Faschismus geschrieben. Und nun gab es den Skandal rund um die Spontanausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der ZDF-Sendung Die Anstalt. Ein paar Tage vor der eigentlichen Sendung erschien letzte Woche eine kurze Sondersendung von Aspekte, die sich neutral und intellektuell mit der Situation auseinandersetzen wollte. Ich fand sie furchtbar peinlich und so gar nicht intellektuell. Jetzt habe ich mir Die AntifAnstalt: Die 100. Folge! angesehen. Am Ende der Folge spielt der 1937 erschienene Text MILITANT DEMOCRACY AND FUNDAMENTAL RIGHTS von Karl Löwenstein, einem deutschen Verfassungsrechtler, eine Rolle. Der Text ist im US-amerikanischen Exil entstanden.
Ich habe dann mal nach dem Text gesucht und kann ihn nur empfehlen, gibt er einem doch eine Sicht auf den Faschismus als Bewegung einige Jahre vor Beginn des zweiten Weltkriegs. Löwenstein beschreibt den Faschismus als weltweite Bewegung, die an die liberale Bewegung erinnere, welche mit der französischen Revolution schließlich den Absolutismus abgelöst habe. Er stellt dann diese Überlegung an:
Wenn der Faschismus eine solche geistige Strömung wäre, dann werde durch ihre universelle Natur unaufhaltsam die Welt umgestaltet und die Demokratie wäre dem Untergang geweiht. Dann wäre eh alles egal. Die alternative Sichtwese: Der Faschismus sei keine Idee, die sich verbreite wie die Idee der Freiheit, sondern eine politische Technik zur Erlangung und Erhaltung von Macht. Der faschistischen Propaganda sei es nur gelungen, den Massen genau diesen Glauben an die Unausweichlichkeit der faschistischen Idee einzuimpfen. Also, so schlussfolgert er, müsse die Demokratie militant werden.
Hier ein paar Zitate:
- Fascism a World Movement. Fascism is no longer an isolated incident in the individual history of a few countries.
- General characteristics and special features of dictatorial and authoritarian government are too well known to be repeated here.
- The modern crusaders for saving Western civilization from Bolshevik „chaos“ – a battle-cry which in all countries gone fascist has proved invaluable – for the time being sink their differences and operate jointly according to a common plan.
- Be it noted that fascist groups or parties openly or secretly exist today in all countries which have remained faithful to the rule of law.
- The programmatic and ideological ingredients of this widely ramified movement of international fascism are surprisingly uniform:
- hatred toward communism and its kin, Marxism and socialism;
- antisemitism, with the notable exception of Italy, although even here, evidently under the influence of the „Berlin-Rome axis“, a change in attitude is noticeable;
- hostility to freemasons, pacifists, and similar international organizations;
- the „leadership“ principle and abolition of liberal democracy and its institutions;
- a hazy sort of corporativism;
- general house-cleaning under the slogans of „regeneration“ and „renovation;“
- rampant nationalism.
- Fascism is not a philosophy – not even a realistic constructive program – but the most effective political technique in modern history.
- Fascism simply wants to rule. The vagueness of the fascist offerings hardens into concrete invective only if manifest deficiencies of the democratic system are singled out for attack.
- Democracy must become militant.
Dazu passt auch ein Gedanke von Ernst Bloch aus „Erbschaft dieser Zeit“ (zitiert nach Adrian Daub, Was das Valley herrschen nennt):
Hat doch der Nazi nicht einmal das Lied erfunden, mit dem er verführt. Nicht einmal das Pulver, mit dem er feuerwerkt, nicht einmal die Firma, unter der er betrügt.


















